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Nachtrag zur Headline: Ende Dezember ist der Hahn zu

Nachtrag zur Headline: Ende Dezember ist der Hahn zu

Quelle: Freies Wort/ Südthüringer Zeitung vom 19.11.2009
60 Mietparteien in der Schmalkalder Allendestraße müssen sich eine neue Bleibe suchen

SchmalkaldenDie etwa 60 von der Insolvenz der Baukontor mbH betroffenen Mietparteien in der Schmalkalder Allendestraße bekommen eine Galgenfrist: Voraussichtlich bis Ende Dezember bleiben Heizkörper und Wasser warm. Voraussetzung ist, so Hausverwalterin Barbara Kasperczyk auf Anfrage, dass weiterhin die Mieten gezahlt werden.

Ende letzter Woche hatte Vermieter Ingbert Schnapp, Geschäftsführer der Baukontor in Charlottenburg Grundstücksgesellschaft mbH & Co., Objekt Schmalkaldener Wohnbauten KG, mitgeteilt, dass er Insolvenz angemeldet habe. Die Gesellschaft könne ihren Zahlungsverpflichtungen künftig gegenüber Energie- und Wasser-/Abwasserlieferanten nicht mehr nachkommen. Er empfiehlt den Mietern, sich umgehend nach einer neuen Bleibe umzusehen. In dem Schreiben gibt der Berliner Architekt und Geschäftsführer dem vorherigen Bürgermeister und dem Planungsbüro an der Situation eine Mitschuld.

Auf Anfrage erklärte Schnapp gestern, dass er die 142 Wohnungen in der Allendestraße 31 bis 41 und 77 bis 83, von denen rund 40 Prozent belegt sind, 1998 für 1,5 Millionen Euro erwarb. Damals mit dem Ziel, diese Wohnungen zu sanieren und in Eigentumswohnungen umzuwandeln. Beides wurde nichts. Dies sei schnell klar geworden. Kein Mieter wollte seine Wohnung als Eigentum erwerben. Als Ingbert Schnapp ein Sanierungskonzept aufstellte – die Mieter waren schon informiert und auch die Handwerker standen in den Startlöchern -, habe das zuständige Planungsbüro der Stadt ihm mitgeteilt, dass nur Fördermittel fließen, wenn er 33 Prozent seines Wohnungsbestandes abreiße. „Der Abriss hätte mir den Hals gebrochen“, sagt er. Er habe dem damaligen Bürgermeister Gellert und dem Planungsbüro vorgerechnet, dass dies nicht möglich sei. „Ich hätte 500 000 Euro in die Tonne klopfen müssen.“ Aber es half nichts, auch KfW und Thüringer Aufbaubank hielten an der Bedingung, abzureißen, fest. Das Ende vom Lied: Er bekam keine Förderung. Ohne diese sei keine Sanierung möglich gewesen.

Anmerkung von mir:
Normalerweise informiert man sich vor einem Bauvorhaben über die Bedingungen für eine Förderung auf Staats- und damit Steuerzahlerkosten. Die Regeln stehen vorher fest. Weder der der ehemalige Bürgermeister Gellert, noch das städtische Bauamt haben sich diese Auflagen einfach so aus dem Ärmel geschüttelt nur um Herrn Schnapp zu ärgern. Hier macht es sich der Herr Schnapp ein wenig zu einfach. Statt einzugestehen, dass sein Geschäftskonzept wegen eigener Fehler in der Planung versagt hat, versucht er jetzt den schwarzen Peter dem ehemaligen Bürgermeister, der sich seinerseits zu den Vorwürfen so öffentlich gar nicht mehr äußern kann, und der Stadtverwaltung in die Schuhe zu schieben. Das ist nicht die feine englische Art, vor allem nicht wenn man sich als integerer Geschäftsmann präsentieren will. Mein Fazit: Schlichtweg verkalkuliert – auf Kosten der Mieter.

Seitdem versuchte Schnapp, die Wohnungen an einen Investor zu verkaufen, der auch ohne Fördermittel sanieren kann, was ihm bis heute nicht gelang. Jedoch habe er, so sagte er gestern, bis zuletzt Hoffnung gehabt. „Es sind der Gründe viele“, die zur Insolvenz führten. Neben den nicht ausgereichten Fördermitteln seien Mietrückstände von 210 000 Euro aufgelaufen. Geld, das der Vermieter nicht bekommen hat und aus eigener Tasche zuschießen musste. Ein mittleres Unternehmen könne das nicht einfach so wegstecken. „Jetzt ist es, wie es ist. Am 28. Oktober habe ich Insolvenz angemeldet. Da war nichts mehr zu löten.“

Er werfe sich vor, in den ersten Jahren, als noch Überschüsse erwirtschaftet wurden, nicht Stück für Stück modernisiert zu haben. Er habe immer eine „große Sanierung“ als Ziel gehabt. „Ich hätte mich mehr drum kümmern müssen“, gibt der Berliner Architekt eigene Fehler zu. Das gescheiterte Objekt Schmalkalden ziehe andere mit sich. „Ich kann mich nun selbst mit meinen Mietern bei Hartz IV anstellen“, äußerte er gegenüber der Redaktion. Er sei nicht mehr liquide. Nach und nach werde sein Eigentum nun in der Zwangsverwaltung landen, vermutet Schnapp.

Einige Mieter hätten sich bei ihm gemeldet, sie seien betroffen und traurig. Hausverwalterin Barbara Kasperczyk will den Mietern helfen. Andere Wohnungen in Schmalkalden könne sie nicht anbieten, nur in Eisenach. Mit den Mieteinnahmen vom November und Dezember ließen sich Wärme und Wasser noch bis Ende Dezember bezahlen. Wichtig sei, dass die ARGE weiterhin die Mieten für die Hartz-IV-Empfänger überweise. Laut Auskunft aus dem Landratsamt, Fachdienst Grundsicherung, sollen sich die Mieter an ihren Sachbearbeiter in Schmalkalden wenden. Rund 75 Prozent der von der Insolvenz betroffenen Parteien sind laut Kasperczyk Hartz-IV-Empfänger.

Zu den hohen Mietschulden, erläuterte Kasperczyk, dass viele Mieter nicht einmal ihren Warmwasseranteil von sechs bis acht Euro an die Hausverwaltung überwiesen hätten. Jeden Monat habe sie die Leute angemahnt. Laut Schnapp seien etwa 20 bis 30 Räumungsklagen die Folge gewesen. „Wenn die Klage endlich durchkam, waren die Mieter weg und nichts mehr zu holen. Zurück blieb eine verwüstete Wohnung, Schrott und Müll“, beschreibt Ingbert Schnapp das Dilemma. Wären nicht ständig diese hohen Mietrückstände zu verzeichnen gewesen, da sind sich Schnapp und Kasperczyk einig, hätten Wohnungen saniert werden können. Einige Mieter haben auch noch auf alten Rückständen und hohen Betriebskostennachzahlungen gesessen.

Um sich ein Bild vom Ausmaß zu machen und zu sehen, welche Hilfe wirklich nötig ist, hat Bürgermeister Thomas Kaminski alle betroffenen Mieter angeschrieben und zu einer Versammlung für morgen, 17.30 Uhr, in die Gaststätte Walperloh eingeladen. Der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft, Bernd Gattinger, und die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen werden daran teilnehmen. „Wir wollen für alle eine Lösung finden“, sagte Kaminski. swo

Anmerkung von mir:
Das klingt besonders glaubwürdig vor dem Hintergrund dass vielen der dort wohnenden Mieter von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft der Mietvertrag wegen ausstehender Mietschulden gekündigt wurde und sie dann glücklicherweise in den jetzigen Wohnungen doch noch eine Zuflucht fanden, um nicht auf der Straße leben zu müssen. Ich für meinen Teil bin mal gespannt wieviel Prozent der Versprechungen von Bürgermeister dieses Mal auch umsetzt werden.

Bürgermeister Thomas Kaminski Insolvenz Mieter Walperloh Wohnblocks

About Jan Schrenke

Jan Schrenke, Schmalkalder mit Leib und Seele, denn es nach dem Herumreisen in der Weltgeschichte wieder in seine Heimat nach Schmalkalden zog. Da sich aber einige Dinge in Schmalkalden anscheinend nur durch Beharrlichkeit ändern lassen, soll dieses Blog für genug Schubser sorgen, um in Schmalkalden etwas zu bewegen!

One comment

  1. Puhh krasse Wohnungsgesellschaft…

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