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Vandalismus im Bauhausjahr

Vandalismus im Bauhausjahr

Folgender Newsletter aus den Reihen der Abrissgegner der Kammgarnspinnerei in unserem neuen Ortsteil Wernshausen erreichte heute unsere Redaktion. Da dieses Thema derzeit viele Gemüter bewegt, möchten wir Ihnen diese Informationen nicht vorenthalten.

Der Inhalt des Newsletters:

…ich möchte Sie zu einer Sachlage ins Bild setzen, von der ich erst gestern erfuhr und die ich als ungeheuerlich empfinde. Ihre rechtzeitige Intervention könnte helfen, ein bedeutendes Baudenkmal zu retten.

1919 wurde in Thüringen das Bauhaus begründet. Zur selben Zeit begannen die Planungen für ein einzigartiges Industrieensemble, das 1920-22 erbaut wurde – die Kammgarnspinnerei Wernshausen. Federführender Architekt war Karl Behlert. Für das Bundesland ist dieses Baudenkmal von größter Bedeutung, denn ein weiterer Industriebau von vergleichbarer Qualität existiert in der Region Südthüringen nicht. 2002 wurde die Kammgarnspinnerei ins Denkmalbuch eingetragen. Eigentümer ist die Gemeinde Wernshausen.

Inzwischen haben die Abrißarbeiten begonnen. Die Umstände sind unappetitlich – ein umtriebiger parteiloser Bürgermeister mit dem Namen Stoffel, ein Landrat, der den Denkmalstatus par ordre de mufti aufhob und eine Abrißgesellschaft, der ein Millionengeschäft winkt. Einwände des Schmalkaldener Museumsdirektors Dr. Kai Lehmann (CDU) und verschiedener Künstler und Intellektueller aus der Region wurden abgeschmettert. Die Initiatoren des in der Kammgarnspinnerei 2008 veranstalteten Konzerts „Totenklage für ein Denkmal“, Dr. Jochen Halbig und Martin Koenitz, wurden mit einer Strafanzeige konfrontiert.

Der Thüringer Landesregierung liegt eine mündliche Anfrage der Abgeordneten Dr. Birgit Klaubert vor. Die Linke-Politikerin lehnt den Abriß vehement ab. Seit dem 1. Dezember 2008 gehört Wernshausen zur Gemeinde Schmalkalden. Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski (parteilos für SPD) hat zu dem Sachverhalt noch nicht endgültig Stellung bezogen. Das ist auch eine Aussage, denn ob die Bausubstanz gerettet werden kann, ist inzwischen eine Frage von Tagen.

„Am bittersten“, schreibt das Meininger Tageblatt, „ist der Abriss der Kammgarnspinnerei… wohl für Matthias Reinhardt. 300 000 Euro habe er ausgegeben und ein 80 Jahre altes Wasserkraftwerk restauriert, sagt der Mann aus Floh-Seligenthal. Der Wassergraben, der die Turbinen antreibt, läuft quer über das Gelände der Kammgarnspinnerei…; das Gebäude mit der alten Mechanik liegt mittendrin. Reinhardt sagt, der Eigentümer des denkmalgeschützten Industriegeländes habe ihm das Grundstück versprochen. 60 Haushalte könnte das Kraftwerk mit sauberem Strom versorgen, die Technik von 1928 museal präsentiert werden.“

Für weitergehende Recherchen:

Landratsamt Schmalkalden-Meiningen
Landrat Ralf Luther
Obertshäuser Platz 1
98617 Meiningen
Telefon 03693 – 48 50
www.lk-sm.de

Stadtverwaltung Schmalkalden
Bürgermeister Thomas Kaminski
Altmarkt 1
98574 Schmalkalden
Telefon 0 36 83 – 66 70
info@schmalkalden.de

Thüringer Landtag
Frau Dr. Birgit Klaubert
Jürgen-Fuchs-Str. 1
99096 Erfurt
Telefon 0361 – 377 26 05
birgit.klaubert@landtag.thueringen.de

Dr. Jochen Halbig
Todenwarth 1
98597 Fambach
j.halbig@todenwarth.de

Architekt Behlert Industriedenkmal Kammgarnspinnerei Rainer Stoffel Schmalkalden Thomas Kaminski Wernshausen

About Jan Schrenke

Jan Schrenke, Schmalkalder mit Leib und Seele, denn es nach dem Herumreisen in der Weltgeschichte wieder in seine Heimat nach Schmalkalden zog. Da sich aber einige Dinge in Schmalkalden anscheinend nur durch Beharrlichkeit ändern lassen, soll dieses Blog für genug Schubser sorgen, um in Schmalkalden etwas zu bewegen!

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